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SSD oder Festplatte? Die Entwicklung am Speichermarkt analysiert.

Wie bei fast allen Komponenten in der IT-Branche fallen auch die Preise von Festplatten seit Jahren in erheblichem Maße. Betrug der Preis für ein Gigabyte vor 15 Jahren noch über 10 Euro, so ist die gleiche Menge Speicherplatz heutzutage ab 3 Cent zu haben. Dies gilt natürlich nur für Einsteiger/Desktop-Festplatten. Server-Festplatten kosten schnell ein Vielfaches. Die Preise fielen aber in ähnlichem Maße.

In den letzten Jahren kam jedoch etwas Bewegung in den Festplatten-Markt. Die technischen Fortschritte bei klassischen Festplatten scheinen nicht mehr so groß zu sein. Kapazitätssteigerungen wurden nur noch erreicht, indem man mehr rotierende Scheiben in die Gehäuse steckte. Neue Technologien wie z.B. Shingle Magnetic Recording lassen in der Praxis immer noch auf sich warten. Stattdessen treten jedoch Solid-State-Drives (SSDs) einen Siegeszug im Speichermarkt an.

Größter Nachteil an klassischen Festplatten ist, dass es sich um mechanische Bauteile handelt. Im Inneren des Festplattengehäuses drehen sich Scheiben, auf denen die Daten gespeichert werden und ein Schreib-Lese-Kopf bewegt sich über diese Scheiben hinweg. Festplatten sind dadurch anfällig für mechanische Fehler und fallen vergleichsweise sehr oft aus. Zudem sind die Zugriffszeiten, insbesondere beim nicht-linearen Zugriff, sehr hoch. Typische Festplatten liefern ca. 150 MB/Sekunde und verarbeiten bis zu ca. 200 I/O-Zugriffe pro Sekunde.

SSDs stattdessen sind rein elektrische Bauteile. Prinzipbedingt sind sie robuster, können z.B. einen Sturz besser verkraften, und die Zugriffszeiten sind um Größenordnungen besser. So sind 50.000 I/O-Operationen pro Sekunde für eine SSD kein außergewöhnlicher Wert. Zudem sind SSDs kleiner (typischerweise 2,5 Zoll statt 3,5 Zoll) und lassen sich somit theoretisch im Rechenzentrum dichter packen.

SSDs sind also der ideale Ersatz für Festplatten. Sie haben nur einen entscheidenden Nachteil: sie sind wesentlich teurer! Die Preise für die aktuell günstigsten Modelle liegen bei ca. 34 Cent pro GB. Die Geräte sind somit mehr als zehnmal so teuer, wie die mechanischen Pendants. Nicht immer werden jedoch große Festplattenkapazitäten benötigt. Für viele Anwendungen, wie z.B. Datenbanken, reichen oft kleinere Disks aus, die Geschwindigkeit ist jedoch essentiell wichtig. Wir bieten daher für unsere Server flexible Lösungen an: mit Festplatten oder SSD oder eine Kombination aus beidem, und beraten unsere Kunden entsprechend zum Einsatz.

Um zu sehen, wie sich der Festplatten- und SSD-Markt in Zukunft wahrscheinlich entwickeln wird, haben wir uns die Zahlen der letzten Jahre genauer angesehen: Hierfür haben wir die Festplatten-Preise der letzten 15 Jahre anhand alter Angebotslisten recherchiert und in einer Grafik aufgetragen. SSDs sind ca. seit dem Jahr 2007/2008 am Markt. Für diese haben wir ebenfalls die Preise der vergangenen Jahre recherchiert. Der folgenden Grafik ist zu entnehmen, wie sich die Preise (in Euro/GB) in den letzten Jahren nach unten entwickelt haben. Die Preise von Festplatten sind mit blauen Rechtecken markiert, die Preise von SSDs mit roten Rechtecken. Der Preisverfall von beiden Systemen war hierbei so stark, dass wir zur Darstellung einen logarithmischen Maßstab wählen mussten:

Preisverfall bei Festplatten- und SSDs
Preisverfall bei Festplatten- und SSDs (blaue Rechtecke: Festplatten, rote Rechtecke: SSDs)

Wie man der Grafik jedoch gut entnehmen kann, ist der Preis für SSDs stärker gefallen als der Preis für Festplatten. Wenn man davon ausgeht, dass sich der Markt gleichbleibend entwickeln wird, werden die Kapazitäten der Bauteile weiter steigen und die Preise hierbei pro GB weiter sinken. SSDs nähern sich in Kapazität und Preis weiter den klassischen Festplatten an, so dass es irgendwann keinen Grund mehr geben wird, Festplatten zu kaufen und SSDs die Platten vom Markt verdrängen werden. Bis es soweit ist, werden jedoch voraussichtlich noch zehn bis 15 Jahre vergehen, so dass wir frühstens ab dem Jahr 2025 mit einem Aussterben der klassischen Festplatten rechnen müssen. Bis dahin wird es weiter Sinn machen, je nach Anwendungsfall zwischen Festplatte und SSD auszuwählen oder eine sinnvolle Kombination aus beidem zu betreiben.

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