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Die Vorteile von Gentoo als Linux-Server-Distribution

In Verbindung mit Servern, die im Internet genutzt werden um Webseiten auszuliefern oder Mails zu verarbeiten, ist vielmals nur von Windows oder Linux die Rede.
Im Gegensatz zu Windows, bei dem sich die Servernutzung tatsächlich auf ein Produkt „Windows Server“ beschränkt, gibt es bei Linux jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Distributionen, welche für den Betrieb eingesetzt werden können. Die bekanntesten sind Debian, RedHat bzw. CentOS, Gentoo, SuSE, sowie Ubuntu. „Linux“ bezeichnet nur den Betriebssystem-Kern. Alle Anwendungen drumherum werden von der jeweiligen Distribution geliefert. Die hierbei angebotene Software ist meist identisch – wie so oft liegen die Unterschiede jedoch im Detail und sind teilweise erheblich.

Auf den von uns betreuten Servern sind verschiedene Linux-Distributionen im Einsatz, jedoch setzen wir auf den meisten Maschinen Gentoo als Betriebssystem ein. Dies hat gute Gründe. Der wichtigste ist, dass Gentoo im Einsatz extrem flexibel ist und stets aktuelle Software zur Verfügung steht.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Distributionen, welche vorkompilierte Pakete ausliefern, basiert Gentoo auf dem Quelltext der einzelnen Programme. Unter Gentoo werden diese für den jeweiligen Bedarf kompiliert und können dadurch sehr flexibel miteinander kombiniert werden. Bei vorkompilierten Programmen müssen dagegen immer spezielle Abhängigkeiten beachtet werden, da nicht jede Programmversion zu einer beliebigen anderen oder einer Softwarebibliothek passt.

Distributionen mit vorkompilierten Paketen besitzen daher feste Versionen, in denen die jeweilige Software aufeinander abgestimmt ist. Beispiel für solche Versionen sind bei Debian die Versionen 6 „Lenny“ und 7 „Wheezy“. Bei Ubuntu sind es beispielsweise die Versionen 12.04 LTS „Precise Pangolin“ oder 14.04 LTS „Trusty Tahr“. Da die Software aufeinander abgestimmt sein muss, gibt es neue Distributions-Versionen meist nur in einem größeren zeitlichen Abstand und die eingesetzte Software ist daher oft veraltet und neue Features können nicht (oder nur über inoffizielle Umwege) genutzt werden. Der aktuelle Release-Zyklus für Debian beträgt zur Zeit ca. 2 Jahre.

Gentoo kennt diese Abhängigkeiten dagegen nicht. Ein einzelnes Software-Paket wird immer für sich betrachtet und kann daher stets aktuell gehalten werden. Die von der Software benötigten Abhängigkeiten sind für jedes Paket einzeln definiert. Dies führt zur Möglichkeit, ein Gentoo-System stets aktuell zu halten und somit sehr schnell sowohl von neuen Features, als auch von Bugfixes zu profitieren. Wenn diese Möglichkeit regelmäßig genutzt wird und jeden Monat Updates durchführt werden, kommt noch ein weiterer Vorteil hinzu: Es gibt jeden Monat nur wenige Änderungen an der Software. Diese Änderungen kommen dafür jedoch regelmäßig, über das Jahr verteilt. Wenn sich z.B. in einer Software das Format der Konfigurationsdatei ändert, kann diese Änderung in Ruhe getestet und die neue Konfiguration darauf angepasst werden. Denn es ändert sich nur diese eine Software. Im nächsten Monat gibt es dann vielleicht wieder Änderungen in einem anderen Paket.

Bei Distributionen mit festen Versionen ist dagegen der Vorteil, dass sich an einem System lange Zeit nichts ändert. Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem die eingesetzte Version vom Distributor nicht mehr mit Updates versorgt wird. Ein Update auf eine neue Version der Distribution ist daher zwingend notwendig. Hier ändern sich häufig sehr viele Teile der Software. Der Migrationsaufwand ist daher extrem hoch und führt selbst bei einer guten Vorbereitung oftmals zu Fehlern im späteren Produktivbetrieb, die bei vorherigen Tests nicht aufgefallen sind. Insbesondere bei geschäftskritischen Anwendungen ist dies im Prinzip nicht akzeptabel.

Die mit Gentoo einhergehende Flexibilität und Aktualität ist sicherlich einer der wichtigsten Gründe, weshalb wir uns für diese als Haupt-Distribution entschieden haben. Daneben gibt es jedoch noch zahlreiche weitere Punkte, die wir an dieser Distribution schätzen.

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